Nach vorne zu umständlich

Mit einem der unnötigsten Unentschieden seit langer Zeit musste sich gestern Abend die SGay II gegen die Reserve des Sportclub Mainsondheim begnügen.

In der ersten halben Stunde der Partie glich der Auftritt der SG einer Free-Jazz-Combo vor der großen Comeback-Tour. Nur leider ohne Instrumente. Anwesend, aber ohne jeden Zugriff auf die Partie. Die Löcher im Mittelfeld zu groß, der Angriff hing in der Luft und viel zu leichte Ballverluste. Folgerichtig gingen die Gäste durch Christian Lang mit 0:1 in Führung. Es dauerte bis in die Schlussphase der ersten Hälfte bis die Spielgemeinschaft erste Akzente setzen konnte. Falk scheiterte bei einem Zuspiel in die Mitte mehr an sich selbst, Gerd Rabensteins Schuss aus kurzer Distanz wurde noch geblockt. Jonas Hartmann brachte den Ball aus dem Getümmel nicht im Tor unter SC-Keeper Johannes Grieb hatte beide Hände voll zu tun, ließ aber keinen Ball gewähren.

In Halbzeit zwei drückte die SGay II vom Anstoß weg aufs Tempo. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff erzielte Andreas Bücherl erst den Ausgleich und hätte direkt nach dem Anstoß und einer Balleroberung beinahe die Führung erzielt. Stattdessen Slapstick pur in der grauen Hintermannschaft nach einem langen Ball der Gäste, viel Kuddelmuddel, Körperteile fliegen nach links und rechts, Chaos. Klingt alles nach einer Mischung aus Basar, Mädelsabend und Flaschendrehen – war es auch. Mit dem Endergebnis, dass der SCM wieder in Führung zog. Da kann nachträglich noch drüber diskutieren, dass SG-Keeper Simon Hahn im Fünfmeterraum behindert wurde, aber vor allem war es hundsmiserabel verteidigt. Allein dafür war der Gegentreffer verdient. In der Folge bemühte sich die SG weiter, es war weitestgehend nach vorne aber viel zu umständlich. Entweder #HackeSpitzeDreieck auf zu engem Raum, wenn Bumsschuss die bessere Alternative gewesen wäre oder dann den besser positionierten Nebenmann nicht angespielt, wenn es erforderlich gewesen wäre. Pech hatte man bei einem Pfostenschuss von Bücherl, der zur falschen Seite weg sprang und einen Kopfball von Flo Müller, den Grieb über die Latte lenkte. Die Erlösung kam erst zehn Minuten vor Spielende. Im Strafraum wird Erlan Bakirov rüde von den Beinen geholt, dass sich sämtliche Farben des Spektrums als Hämatom auf seinem Körper abbilden. Elfmeter, Bücherl (hatten wir ja erst am Sonntag schon zwei Mal), drin – 2:2. Sechs Tore in Folge in zwei Spielen waren aber dem ehemaligen Torschützenkönig noch nicht genug. in der 89. Spielminute macht Bücherl den Hattrick voll und alle jubeln, als hätten sie ihre Hornbach-Bonuskarte voll. Wenn mann nicht in der zweiten Minute der Nachspielzeit bei einem Freistoß von der Mittellinie wie ein Dirigent im Oberrang zu weit weg vom Geschehen gewesen wäre. SC-Kapitän Wolfgang Frisch musste den hohen Ball nur über die Kopfhaut streicheln lassen, um dem Sportclub noch den Punktgewinn zu retten.

Die SGay scheiterte an diesem Abend nur an sich selbst: Die Präzision der Offensivbemühungen erinnerte einen Pizzabäcker, der sich an einer Praline versucht. Mit Fischgeschmack. Die Defensive versprühte so viel Flair wie ein Rockkonzert ohne Boxen und Fans. Sieg verdummt. Bei der Anzahl an Chancen hätte man auch 7:3 gewinnen können.

Fußballfreier Sonntag. Zeit sich den wichtigen Dingen zu widmen: Eskalation. Käuzle Würzburg.

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