Wenn der eine Kleine alle überragt und der Arm eines Anderen herausragt

Zeitzeugen würden berichten, dass die Derbys gegen den SV Hüttenheim früher ja angeblich blutiger waren als eine überdurchschnittliche Damenregel. Kniehohe, ach was, hüfthohe Grätschen, Dropkicks mit den Stollen voran in des Gegners Rücken, zur Begrüßung sich mit den Ellenbogen gegenseitig die Kauleisten poliert! Und Fußball wurde damals auch noch ansehnlich gespielt! Freilich!!
Und wenn man den Veteranen Glauben schenken mag, ist das ja heutzutage alles Larifari und einfach nicht mehr das, was es früher einmal war. Wenn einer dieser Nostalgiker am Sonntag in Nenzenheim gewesen sein sollte, dürfte er jedenfalls auf seine Kosten gekommen sein.
 
Denn die neunzig Minuten gegen den SVH boten durchaus B-Klassengekicke, das man auch als Fußball bezeichnen kann. Und für Blut war auch reichlich gesorgt. Die Partie begann mit ein paar Schüsschen hüben wie drüben. Klassisches Warmschießen also, dass dem Keeper ja keiner durch die Topflappen rutscht.
Das erste Mal Rot sah man dann Mitte des ersten Durchgangs, als sich Julius Merkert eine Wunde am Schienbeinzuzog, die kein Hello Kitty-Pflaster der Welt mehr hätte abdecken können.
Die Szenerie bis zum Pausenpfiff zusammengefasst: Die Gäste von nebenan drückten zunehmend, die Abschlüsse aber weitestgehend ungefährlich, weil das Zielraster mindestens acht Anschläge zu weit nach links gedreht war.
 
Nach dem Seitenwechsel hatte die MSN II zunächst ein paar Probleme, sodass das 0:1 für den SVH durch Maximilian Schunke zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient war.
Nur sechs Minuten später tauchte nach einem Eckball von rechts Mini-Michi glockenfrei am langen Pfosten auf, musste nur noch den imaginären Zweikampf gegen den nicht anwesenden Gegenspieler gewinnen (da hätte sogar Peter Maffay gute Chancen gehabt, an den Ball zu kommen und dabei so lange in der Luft zu stehen, um ein weiteres Lied über diesen niedlichen Drachen zu schreiben) und nickte das Leder in die Maschen.
Dummerweise dauerte es wieder nur wenige Zeigerumdrehungen, bis es ein weiteres Mal im Karton rappelte. Die MSN-Hintermannschaft bekam den Ball nicht geklärt und erneut war Schunke zur Stelle und drosch das Runde ins Eckige.
 
Einen Stellungsfehler in der Hintermannschaft des Favoriten nutzte Patrick Hertel um mit einem langen Ball Christian Schömig in Szene zu setzen. Der blieb standesgemäß cool, wie wenn alle Spieler nüchtern zum Treffpunkt erscheinen, und stellte den erneuten Ausgleich her.
In der Folge entwickelte sich eine abwechslungsreiche Partie, die besseren Chancen hatten die Gäste aus Hüttenheim. Meist konnte aber ein dritter Einschlag in Pette Radants Gehäuse durch mutige Aggro-Grätschen in die Schussbahn verhindert werden.
Den Gästen fehlte am Ende einfach die nötige Cleverness, sodass unsere Zweite nach dem Sieg gegen Albertshofen durch eine starke kämpferische Leistung erneut ein Topteam der Liga ärgern konnte.
 
Richtig kämpferisch war auch Fabi Seemann unterwegs. Nur packte der Kampfzwerg etwas zu tollwütig den Oberarm im Zweikampf aus und traf dabei seinen Gegenspieler einmal auf der direkten Verbindungslinie von Kinngrübchen bis Mittelscheitel.
Ein paar Momente unter dem tosenden Gekreische des Hüttenheimer Anhangs später sah Seemann Doppel-Rot. Einerseits den Karton von Schiri David Bailey, andererseits lief die Suppe aus dem Gesicht des Gefoulten.
Spannung langsam aufgebaut, dann vier Tore, am Ende ein Platzverweis und Hack and Slay mit ordentlich Blutfontänen – ein Derby, dessen Drehbuch auch von Quentin Tarantino hätte stammen können.
 
Wir verabschieden uns in die Winterpause und sagen auch „Auf Wiedersehen!“ zu Christian Schömig, der uns nach dreieinhalb Jahren verlassen wird. Danke, dass Du uns alten Turniergäulen, die inzwischen nicht immer ganz so hochspringen können wie sie sollen, gezeigt hast, wie man Fußball spielen könnte. Wir wünschen Dir alles Gute auf Deinem weiteren Weg und würden uns freuen, wenn sich die Wege noch das eine oder andere Mal kreuzen!

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