Schmidtchens Schleicher enttäuschen vollends

Das Spiel am Freitagabend zwischen der SGay und dem Sportclub Mainsondheim war für Tippexperten eine sichere Bank. Schließlich hatte die SG ihre Heimspiele gegen den SC bislang immer mit 3:0 für sich entscheiden können. Dieses Mal aber die Ausnahme der Regel, nur 3:1. Kein Wunder, dass dann keiner Applaus spendet.

Es war eine erste Halbzeit, wie man Sie in Nenzenheim (wo Fußball gut und günstig ist) nur selten zu sehen bekommt. Die SG war deutlich spielerisch überlegen, schaffte es nur nicht einen Treffer zu erzielen. Schmidt, Eror, Walter, Hörlin, Schöller, Seemann, Bauer. Egal wer, jeder, der eine Chance hatte, brachte die Kugel nicht im Tor unter. Irgendwer oder -was war immer im Weg: SC-Keeper Mrugalla, ein Bein eines Abwehrspielers oder man selbst. Hätte vor zwei Jahren auch keiner gedacht, dass man zur jungen Schmidt-Elf mal sagen würde: „Passt auf, dass ihr nicht in Schönheit sterbt.“ Ein paar Mal wurde nämlich auch der SCM gefährlich. Und zwar immer dann, wenn Fabian Seemann im Mittelfeld die Hacke auspackte oder Florian Sieber, das laufende, Fußball spielende Stück der Berliner Mauer in Reihen der SG, die Kugel herschenkte oder gegnerische Flanken mit den rechten Schlappen kunstvoll fast im eigenen Tor versenkte.
Es sollte sich aber noch auszahlen, dass die Weinparadiestraumelf für dieses Spiel auf die Meisterstutzen mit der süßen Deutschland-Optik zurückgegriffen hat. Nach einer gespielten Stunde gibt es einen Freistoß für die SG aus zentraler Position, Schöller holt das Nudelholz raus, trifft die Kartoffel aber nicht tscheit. Der Platz wird wegen des nassen Rasens aber zu schnell für Mrugalla, klatscht gegen den Pfosten und dann steht einer natürlich mal wieder genau richtig. Harald Schmidt. Torungeheuer. Fünfter Saisontreffer. Im vierten Spiel. Schmidt befindet sich bei der SG im gefühlt dauerhaften siebzehnten dritten Frühling. Ohne lange zu hadern gab der SCM aber schnell die Antwort. Balleroberung von Johannes Böhm, Zuspiel auf Nicholas Vollhals und dessen Schuss wird von Stefan Bauer so abgelenkt, dass die Bogenlampe über Simon Hahn hinweg im Netz landete. Da half auch alles Nachglotzen nichts als wäre der Ball ein Neugeborener, der fließend Latein spricht. Latein beherrschen wir übrigens tadellos, nachts, zwischen 3 und 6, wenn der Bierpegel sich bei 13 oder 15 eingependelt hat. Französisch können wir auch noch, thematisieren wir hier jetzt aber nicht weiter, zurück zum Spiel: Statt die Partie völlig aus der Hand zu geben, schlug das rot-blaue Imperium postwendend wieder zurück. Freistoß Schöller, Hinterkopfrückenball Bauer und die erneute Führung. Im vierten Spiel der erste Treffer, den nicht das HS-Duo erzielte. Und bevor die Gäste sich noch einmal aufbäumen konnten, legte Schöller noch einen drauf. Ecke Eror, zunächst abgewehrt, aber unmittelbar vor die Füße des Schlagerbarden, der wie ein Familienvater, der einen tollwütigen Fuchs, der seine Kinder angreifen will, einfach aus dem Garten tritt. Grimmig, aber präzise, angekotzt, aber tödlich. Aus 20 Metern vollends ins Glück. Die SGay mutiert noch zu den Standardbiestern der Kreisklasse. Schöllers flotter Dreier mit sich selbst: 3 Spiele, 3 Tore, 3 Vorlagen. Und das ohne 3 Promille Restalkohol.
Nach dem Spiel schallten die unhörbar Fangesänge durch das Nenzenheimer Rund:
Oh, Hannes Schöller, du kannst, was keiner kann,
oh, Hannes Schöller, du bist der beste Mann,
oh, Hannes Schöller, komm, hau rein,
es gibt nur ein: Oh, Hannes Schöller!
Blöd nur, dass dieses Mall keine Ultras da waren und auch sonst die meisten Zuschauer einen Sportheimabstecher terminbedingt nicht wahrnehmen konnten…

Die SG gewinnt die Zerreißprobe. Ein völlig nüchternes Team schlägt die Gäste aus Mainsondheim aufgrund einer überlegen geführten ersten Halbzeit verdient. Im zweiten Durchgang war das Spiel ausgeglichen, dem SCM fehlten aber die großen Torchancen, um Schmidtchens Schleicher ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Wir wünschen an dieser Stelle Patrick Mrugalla, der nach einem Foul von Harald Schmidt verletzt ausgewechselt wurde, gute Besserung!

Fazit: Egal ob wir nicht punkten, oder verlieren, wir haben gewonnen. #Kreisklassenlogik

Direkt am morgigen Sonntag tuckert die Truppe nach Bütthard. Dort gab es letzte Saison ein 1:5. Wird es wieder ein Gegentreffer mehr, darf sich der SV Bütthard über ein halbes Dutzend freuen. Die Zweite spielt um 14 Uhr in Albertshofen den Miesepeter.

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