Déjà-vu für Most

50 Punkte wurden als Saisonziel ausgegeben. Eine Anzahl, bei der man am Saisonende selbstredend unter den ersten fünf Mannschaften der Kreisklasse mitmischt. Diese Devise gab aber nicht der Arbeiterverein der Bauern, Dorftölpel und ähnlicher Gestalten aus dem Stadtteil Nenzenheim aus, sondern die Städter aus Iphofen selbst. Mit elf Punkten bei zwei Siegen aus 19 Partien hängen die Gipsler den eigenen Ansprüchen hinterher, für den Aufsteiger läuft es ziemlich zufriedenstellend. 31 Punkte vor Anpfiff, danach gar deren 34 und 12 Zähler Vorsprung auf den unteren Relegationsplatz.

Rein ins Geschehen. Stadt gegen Land. Derby auf der Andreas-Haßold-Kampfbahn in Nenzenheim. Schmidt mit voll besetztem Kader, niemand fehlte, weil er die Sonnenstunden für einen Schwimmbadausflug genutzt hat und noch an der Kioskkasse in der Schlange stand. Die ersten 45 Minuten waren ein eher mäßiges Kreisklassenspiel, in dem zunächst der FCI mehr überzeugte. Mehr Spielfluss, mehr Zweikampfsiege und ein leichtes Chancenplus für die Gäste aus der Knauf-Stadt. Allerdings wenig gefährliches, Körner der wie gewohnt sichere Rückhalt, wenn mal was an der SG-Defensive vorbeikam. Gefährliche Situationen des Aufsteigers gab es nur nach Standardsituation, aber Walter und Volkamer setzten ihre Kopfbälle über das Gehäuse von Lukas Guller.

Pause. Zeit für die SGay’ler sich die nötige Motivation für die zweite Hälfte zu holen, indem sie ihre Handyakkus mit Clash of Clans verdattern. Und dann bekamen die Zuschauer eine SGay zu sehen, vermutlich hätte selbst Rocky bei ihrem Anblick nach Adrian gewinselt. Langer Ball in die Spitze auf Joker Julian Helfert, dessen Schuss aus spitzem Winkel zur Ecke abgewehrt wird. Nach dieser kommt Wandi Walter zum Schuss, den Guller noch stark aus der Ecke fischt. Bei einem Schöller-Wuchtfreistoß hätte der redselige Schlussmann keine Chance gehabt, die Ledersalve wummste aber auf der falschen Seite des Pfostens vorbei. Geschehen um den FCI war es dann in Minute 53. Nach einem Konter spielte Schöller links Rabenstein frei, der uneigennützig den besser postierten Keßler bediente. Aufsteiger 1 – Iphofen 0. Und irgendwie war dieses Tor der Genickbruch für die von Elmar Most trainierte Elf. Kein Spielfluss mehr in Hälfte Zwei, nur noch lange Bälle, die SG-Abwehr stand stabil und ließ nichts zu. Bis in der 73. Minute einer jener langen Bälle im Strafraum landete und Lion Paxton Michael Winkler von den Socken riss. Der umsichtige Schiedsrichter Michael Winkmann entschied auf Strafstoß. High Noon. Andreas Grün im Duell mit Markus Körner. Die Gäste ohne einen Treffer vom Punkt in dieser Saison, Körner hat zuletzt grandios im Heimspiel gegen Bütthard pariert. Angesicht in Angesicht und Sieger blieb Körner. Zweiter gehaltener Elfmeter in Folge, aus diesem Pfundskerl hätte mal ein richtiger Titan werden können, ein legitimer Nachfolger von Olli „Weiter, immer weiter“ Kahn, wenn nicht Wein, Weib und Gesang seine Karriere früh zerstört hätten. Für die endgültige Entscheidung sorgten dann FabiR und FabiS, Nenzenheims Milli Vanilli. Milli Rabenstein setzt sich erneut über die linke Seite durch, bedient diesmal Vanilli Seaman, der zwar fast den Ball ins Toraus stoppt, ihn dann aber aus kurzem Winkel in die Maschen hämmert. Dieser Rabenstein, achte Torvorlage in dieser Saison. Entgegen der schlampigen Genies auf den Dorfplätzen dieser Erde verbreitet dieser Zehner alter Schule seine Magie auf der ganz großen Bühne des Weltfußballs: Der SG-Kampfbahn zu Nenzenheim, auf der in dieser Saison bisher nur die TSG Sommerhausen einen Punkt entführen konnte. Stadtteil 2 – Stadt 0. Klappe zu, Affe tot.

Mit einer couragierten und starken Leistung, vor allem im zweiten Durchgang, die Rocky‘s Treppenlauf von Philadelphia wie einen Nachmittagsspaziergang wirken lässt, krönt sich Schmidt’s Elf zum Großfeld-Stadtmeister. Und das womöglich für mehr als ein Jahr, angesichts von elf Punkten Rückstand, die die Mannen aus der weißen Stadt in ihren verbleibenden neun Spielen aufholen müssen, um dem Abstieg zu entrinnen. Konstant auch die Ergebnisse von Elmar Most, der Übungsleiter konnte gegen die SGay keinen Sieg in dieser Saison erzielen. Trostpflaster: Most kann in den nächsten Wochen noch das Traineramt in Sonderhofen, Gülchsheim, Sickershausen, Mainsondheim, Ippesheim, Hopferstadt und Schwarzach übernehmen, vielleicht klappt es dann mit einem Dreier gegen die von Schmidt trainierte Weinparadiesequipe. Zum ersten Mal nach der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919 wird die SG mit hoher Wahrscheinlichkeit den bis dahin immer sie überragenden FC Iphofen als Verein Nummer 1 in der Stadt ablösen. Nachdem der FCI die selbst gesteckte Benchmark von 50 Punkten nicht mehr erreichen kann, drücken wir die Daumen, dass dieses Ziel nächstes Jahr realisiert wird. Dann wird es auch wieder für einen der angestammten, vorderen Plätze reichen, da sind wir uns sicher.

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