Badetag im Klärbecken

Drittes Gastspiel beim SV Willanzheim und zum ersten Mal nimmt die SGay I keinen Dreier mit nach Hause. Aber gut, würde man jedes Jahr 5:0 gewinnen, wäre so ein Sieg auch nicht mehr episch.

Inizio furioso, wer pünktlich zum Anstoß da war, hat nichts verpasst. Wer zu spät kam, verpasste fast alles. Vier Minuten gerade einmal durch, langer Ball von Staubsaugeropfer Patrick Hertel auf Harald Schmidt. Der bringt die Murmel gerade so über SVW-Keeper Klinger und gerade so trudelt das Ei über die Linie, der Willanzheimer Klärungsversuch kam zu spät (kurz vorm Löchle scheitern kennt Schmidt auch nicht). Drei Spiele – vier Tore. Schmidt macht tatsächlich da weiter, wo er letzte Saison aufgehört hat. Doch die Freude währte nur kurz. Im direkten Gegenangriff drückte Dominik Hirsch nach Vorarbeit von Benedikt Strohmer, dem bosshaften Dirigenten im SV-Orchester, den Ball ins SG-Gehäuse. Für den vollen Schuss Adrenalin sorgte aber nur weitere zwei Minuten später ein Schöller-Freistoß, denn Klinger ließ die heiße Kartoffel durch die Lappen flutschen ins Tor. In der Folge drückte der SVW das Gaspedal durch den Karosserie-Unterboden. Lange konnte das Bald-IV-Ehepaar Bauer-Sieber (ein Innenverteidiger-Duo, vor dem sich selbst die Nasty Boys zitternd unterm Bett versteckt hätten) den Ausgleich abwenden. Aber kurz vor dem Pausensprudel hatte auch Simon Hahn, der mehrmals Reaktionen zeigte, mit denen man normalerweise Spiderman-Filme bebildern könnte, das Nachsehen. Jonas Grill traf zum verdienten, erneuten Ausgleich.
Ran an die Piroggen hieß nach dem Seitenwechsel für Neuzugang Erlan Bakirov (nein den haben wir nicht aus den Untiefen des Robin-Duttschen Notizblocks gezaubert). Nachdem unser silberrückenartiger Außenverteidiger mit der Kreuz-Schulter-Partie direkt aus einer Panzer-Doku auf »n-tv« (=Patrick Hertel), nach einem Ellbogenstreichler mit Gelb-Rot vom Platz musste, agierten die Black Boys eine halbe Stunde lang in Unterzahl. Prämisse: Erstmal hinten keinen rein kriegen. Das Gay in SGay ist nicht wörtlich zu nehmen… Mehr als einen Distanzschuss von Christian Volkamer, der knapp übers Tor strich, ließ man auch nicht zu. Andererseits ging nach vorne gar nichts mehr zusammen, was hauptsächlich an der starken SV-Defensive und weniger an der eigenen Impotenza Goala lag. Immerhin nicht wieder in der Schlussphase einen lächerlichen Elfer kassiert und einen weiteren Punkt auf der Habenseite verbucht. Ab wann gibt es vom BFV eigentlich Zinsen?

Nachdem die SGay II letzte Woche mit mehr Verletzungspech zu kämpfen hatte als einst Detective Nordberg in »Die nackte Kanone«, wurde im Spiel gegen die Willanzheimer Reserve kräftig durchgewürfelt. Geschmeidige neun Wechsel in der Startelf und obendrauf liefen Lukas Müller, Sascha Müller (bitte fangt jetzt nicht an zu denken, dass unser Mannschaftsstammbaum ein Kreis ist!) sowie Sven Kehrer erstmals überhaupt für die Weinparadiesequipe auf (Dreimal Einstandskasten, perfekt kalkuliert). Die erste halbe Stunde verlief dabei nicht unbedingt wie ein Kurzurlaub im Club Med. Zweimal bei Standards gepennt, zweimal eine Hulle kassiert und wenn Andreas Wolff-Imitat Max Steppan nicht mehrmals bravourös reagiert hätte, wäre die dritte Niederlage im dritten Anlauf wohl schon besiegelt gewesen. Zwar gelang postwendend nach dem zweiten Gegentreffer der Ausgleich durch Mesut Büzil, den Ausgleich vor dem Seitenwechsel verhinderte Schiri Ertan Yilmaz mit einigen kuriosen Pfiffen. Es schien so als könne die SGay II dieses Spiel nicht gewinnen, weil Abseitsstellung gepfiffen wurden, die für das menschliche Auge offensichtlich sowas von nicht vorhanden waren wie eine Gefühlsregung im Gesicht von Kristen Stewart. Wir sind uns sicher: Wäre Yilmaz 1963 in Dallas dabei gewesen, er hätte wahrscheinlich sofort gesehen, wer JFK erschoss. Obwohl er drei Blocks entfernt vom Geschehen stand. Jedenfalls erfand Yilmaz dann eine völlig neue Bedeutung des Unparteiischen. Eine Halbzeit für die Einen, eine Halbzeit für die Anderen.Die Folge: Zwei Elfmeter für die SGay II, zwei Platzverweise für den SVW II. Den Gastgebern musste der zweite Spielabschnitt in etwa so viel Spaß gemacht haben wie eine Runde Brustschwimmen in der Kläranlage Tiefenstockheim. Nutznießer: Büyonce, der die Treffer zwei, drei und vier für die kleine SG erzielte. Bücherl lehnte mittlerweile schon den Ehrenvorsitz der Martin-Max-Stiftung für benachteiligte Topstürmer ab und ist die kommenden Tage derart glücklich, dass seine Lachmuskeln bald einen Krankenschein vorlegen müssen.

Für die Reserve steht bereits am Freitagabend in Nenzenheim das Aufeinandertreffen mit der Zweiten Mannschaft des SC Mainsondheim an. Am Sonntag sind beide Teams spielfrei.

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