Ihr habt den Olaf Scholz gesehen

Das größte Osterwunder war wohl, dass wir es irgendwie fertiggebracht haben am Ostersamstag mit zwei Mannschaften auswärts überhaupt anzutreten. Faabi Kehrer und Marian Doros kickten erst eine Halbzeit für die Zweite in Repperndorf und stiegen dann in den Expresszug nach Dettelbach, damit die „Erste“ pünktlich zum Anpfiff mit elf Mann auflaufen konnte.
 
Während die Zweite sich mit 0:4 den Ri’s und Ra’s vom TSV Jahn Repperndorf geschlagen geben musste, erkämpfte sich die Erste durch ein 1:1 gegen Dettelbach und Ortsteile 2009 e.V. II einen Punkt.
 
Mit neun Mann in der Kabine umgezogen, zwei weitere mit offenen Armen während des Aufwärmens in Empfang genommen – gute Vorzeichen schauen anders aus. Daher: Neunzig Minuten zwischen uns und dem Abgrund. Wie bei Titanic, nur etwas kürzer und aufgrund wahrer Begebenheiten.
Das Spiel dürfte aufgrund seiner wüstenähnlichen Ödnis den wenigen Zuschauern die Hornhäute verbrannt haben, aber Leute ehrlich: Wir machen das nicht mit Absicht, wir können es zur Zeit vielleicht einfach nicht besser!
Team MSN in Halbzeit Eins wie alterndes Turnierpferd, das exakt so hoch springt wie es muss: Eins. Freistoß von Domi Spiller, sattes Pfund ins Torwarteck – 1:0. Der Treffer war damit auch die wunderschön-dämliche Parabel auf das Leben, denn sonst war bis auf einen Aluminiumtreffer der Gastgeber spielerisch mal so gar nichts los in der Weingarten-Arena (gab weder Wein, nur ein Rapsfeld und die Arena bestand aus anderthalb Kurven, aber naja.).
Dem Pausenwässerchen hätten wir mal lieber den ein oder anderen Tropfen Ritalin beigeben sollen. Kollektive Schläfrigkeit bei einem dUo-Standard, Kopfball aus kürzester Distanz – 1:1.
Was bis dahin schon eine zähe Angelegenheit war, wurde für die restlichen Minuten wie ein Stück ungarischer Salami (Mindesthaltbarkeitsdatum 03/1998). Zweikämpfe soweit das Auge reicht, kaum Torchancen. Wer nämlich die Dinger, die die Schlussmänner zu parieren hatten, als Schüsse bezeichnen möchte, denkt sicherlich auch, dass Dieter Bohlen ein Mann mit Geschmack ist.
Bemüht, aber gnadenlos harmlos wie der Dorfdisco-Romeo, der sich für diesen einen, ganz speziellen Abend das ganz, ganz große Glück vorgenommen hat, und dann beim Versuch, nun endlich die Dame seiner Träume für sich zu gewinnen nur immer wieder herausquält: „Na, du auch hier?!“
 
Stillstand ist Rückschritt, weiß sogar der Volksmund. Daher ging es für die Zweite am Montag gleich weiter mit einem Gastspiel beim Nachbarn aus Willanzheim. Wahrscheinlich verrannen auch hier während der Partie Sekunden als wären es Stunden gewesen – dürfte nur wohl kaum einen gestört haben, bei einer Hand voll Zuschauer auf der Willanzheimer Downhillstrecke (ja, wirklich!). Mit den sympathischen Worten „Ober sticht Unter“ (bestimmt auch so eine Volksmundweisheit) wurde wir beim Betreten des neuen, pompösem Willanzheimer Sportparkes darauf hingewiesen, dass aufgrund der Kommunion des Vorstand-Nachwuchses auf dem alten, in die Jahre gekommenen, abschüssigen und sehr trockenen Ausweichplatz gekickt wird. Da war zwar auch eine Kommunionsfeier, schien komischerweise anscheinend niemanden zu stören. Bänke für unsere Auswechselspieler (irgendwelche Typen einer längst vergessenen Ära) musste man sich noch selbst organisieren, ebenso wie das Flüssigbrot.
Über weite Strecken war Team MSN II (natürlich mal wieder wegen kurzfristigster Absagen personell am Krückstock) nicht schlecht in der Partie – häufig entschied der SVW entscheidende Szenen aufgrund der individuellen Klasse seiner aufgepimpten Elf (hui, war das ein Gejammer früher, wenn wir das gemacht haben). Je näher man sich dem Abpfiff näherte, desto stärker mutierte man zu Olaf Scholz: Die Spieler waren ohne klare Position. Die Offensivbemühungen wirkten meist wie ein unterentwickelter Staat, der sich im Streit mit einer atomaren Supermacht ganz und gar auf Gummischleuder und Kavallerie verlässt. Endstand: 0:5.
 
Weiter geht es schon morgen: Um 18:30 trifft MSN II auf die Reserve des TSV Mainbernheim. Am Sonntag folgen die Partien gegen den TSV Gnodstadt (13 Uhr) und die Mainbernheimer Erste (15 Uhr). Gespielt wird jeweils in Nenzenheim.

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