MSN – SV Hüttenheim

Diese Derbys von heute sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Standen früher noch hunderte Zuschauer die Außenlinien entlang, sind es heute nur noch handverlesene fünfzehn. Und das obwohl das Spiel gegen den SV Hüttenheim am Freitagabend zur besten Sendezeit über die Bühne ging. Hatten vielleicht alle Spätschicht. Ist ja in Wolfsburg trotz Bundesligafußball nicht anders.

Ach, früher war halt doch noch alles besser. Da wurde man humorloser abgeräumt als ein voll gedeckter Tisch auf dem Oktoberfest von einem besoffenen Engländer. Im Zweikampf wurde dann auch mal ein Sprunggelenk zermalmt, als würden die Akteure einen besonderen Fetisch für Knochensplitter haben. Und wenn man sich dann heutzutage wie zwei kleine Pinscher auch nur beschnüffelt, bekommt man sofort den Gelben Karton in die Nasenlöcher gerammt.

Das Spiel war über weite Strecken wie die Garderobe von Natascha Ochsenknecht: Bunt. Eng. Unansehnlich. Nicht falsch verstehen, für den Fuji-Cup wäre das recht ordentliches Spielniveau gewesen. Der SVH lief früh an und versuchte bereits ganz vorne die Bälle zu gewinnen, letztendlich erging es ihnen dann wie uns im Reisebüro – es fehlten einfach die Mittel für eine Reise ins Glück.

Die ersten Hälfte konnte vor allem Ikone Rene Demmel nutzen, um weiter an seinem Status als lebende Legende zu arbeiten. Versuchte erst einen hohen Ball per Seitfallzieher in den Winkel zu schweißen. Muss die Aktion seines Lebens gewesen sein. Flog cooler und entschlossener heran als Tom Cruise in „Top Gun“. Und verdrängte dabei genauso viel Luft. Kann man so machen. Kann man aber auch sein lassen. Steggi Neunundneunzig überzeugte aber auch mit Steilpässen über mindestens 60 Meter. Auf sich selbst. Oder den imaginären Mitspieler Bertram, den sonst keiner gesehen hat. Geniale Idee, ausbaufähige Ausführung. Denn komischerweise landete der Ball stets im Aus. War dann nach einem Abpraller aber am genau richtigen Ort, um sich und seine Gefolgsleute in Führung zu schießen. Bereitete zudem vor der Pause einen weiteren Treffer bilderbuchhaft vor. Kein Wunder, wenn ab morgen alle Kinder in Hellmitzheim in Steggi-Bettwäsche schlafen wollen.

Nees und sein Uruk-Hai-Modus. Dürfte dem geübten Leser mittlerweile hinreichend bekannt sein. Sieht immer total mitreißend aus. Hatte nur selten Effekt – abgesehen von den blauen Flecken, die er auf den Körpern der Gegenspieler hinterlassen hat. Gegen Hüttni machte sich der Forrest Gump unter den Powerdribblern mal wieder auf den Weg. In der eigenen Hälfte gestartet, mal kurz mit dem Ball am Fuß durch sieben Gegenspieler gerannt und überraschenderweise dieses Mal ein Solo zu Ende gebracht. War fast so schön anzuschauen wie Maradona 1986. Schade eigentlich, dass alle Schicht hatten und es kaum einer gesehen hat.

Und wenn wir schon bei historischen Vergleichen sind. Bierkapitän Zehnder hat aktuell den wohl besten Torriecher seit Gerd Müller 1974. Netzte in bislang jedem Spiel seit dem Jahreswechsel und traf im Lokalduell sogar doppelt. Einmal lässiger die roten Gegenspieler umkurvt als Marcel Hirscher die Stangen auf der Piste in Schladming. Hat sich zwischendurch vom Gegenspieler wieder einholen lassen, dann aber im letzten Moment ohne laufenden Motor nochmal auf das Gaspedal gedrückt und dann Ball ins lange Eck geschoben. Der alte Schülerlotsentrick funktioniert halt immer noch: Links antäuschen, rechts gehen.

Halbzeit Zwei im Schnelldurchlauf (den Autor trug es wegen klirrender Kälte und leerem Magen zur nächstgelegenen Futterstelle): Schömig macht den Zehnder und trifft auch doppelt. Endstand: 6:0.

Und hier die Wertung aus Seinsheim, Nenzenheim und Markt Einersheim für dieses Spiel: MSN – Zero Gegengoals. Doofe Rückstände sich einfangen und die dann wieder in Führungen umwandeln kann ja jeder. Echte Profis spielen auch mal zu Null!

Spieler des Spiels: Johannes S. aus H.
Da kommste im Sommer neu dazu. Machst dich gut, spielst stark, bist wichtig und darfst dann im Winter gegen den Ex-Klub auf der Zehn zeigen, was du auf dem Kasten hast. Läufst, rennst, ackerst, forderst Bälle, gibst Kommandos. Und bekommst nach einer Stunde vom Schiri die Krämpfe aus den Waden gedrückt.

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