Griffel an der Schale durch Weinfest-Dreier

Alternatives Ende von „Shades of Grey“ 

Keine Zweifel ließ die SG Seinsheim-Nenzenheim im Duell David gegen Goliath aufkommen. Der Tabellenführer siegte souverän mit 7:0 (2:0) beim Kellerkind RW Kitzingen und hat die ungewaschenen und nach Wein muffelnden Klauen an der Meisterschale. Besondere Freude machte ein Comebacker, der seinen Namen in die Torschützenliste meißelte.

Nach einem beinharten Weinfestwochenende, an dem mehr SG-Zungen andere Münder aushöhlten als Kripobeamte beim landesweiten DNA-Speicheltest, rechneten die zahlreich mitgereisten SG-Hooligans nicht mit einem Feuerwerk der Fußballkünste. Vorweggenommen: Es war sicherlich nicht die attraktivste Partie, auch nicht hochklassig und schon gar nicht spannend, aber immerhin ereignisreich.

Schoppenschöller zaubert 

Die von Verletzungssorgen geplagten Rotweißen hatten einen nicht ganz revolutionären Matchplan ausgeklügelt: Vollbarrikade am eigenen Sechzehner, mit weiten Bällen die alberne Aufbauarbeit umgehen und vorne auf Fortuna hoffen. Mit Aggressivität und frühem Stören setzten die Gäste den abstiegsbedrohten Klub vom Bleichwasen allerdings so unter Druck, dass kaum ein kontrollierter Vorstoß gelang.

Es entwickelte sich das obligatorische Spiel auf ein Tor, wobei sich die Weinfestbande der Chancenwucherei schuldig machte. Erst Goalgetter Andi Keßler-Colada schenkte dem Gegner reinen Wein ein und markierte nach formvollendeter Vorarbeit Andi Walter´s das hochverdiente 1:0. Knapp fünf Zeigerumdrehungen später hatte der Schoppenschöller seinen Auftritt.

Mit uhrwerkähnlicher Präzision wuchtete Hannes Mövenpick das Spielgerät aus 25 Metern gegen die Unterkante der Latte, von wo aus selbiges hinter der Linie landete. Dem „Gott des ruhenden Balles“ zu Ehren stimmten die sangeswütigen Anhänger den Gassenhauer „Iffemer Wein“ von Udo Jürgens an. Sichtlich gerührt, war Sirtaki-Hacki den Tränen nahe. Dank des Dauerregens fiel die „Wein-Prinzessin“ nur dem geneigten Beobachter auf.

50 Shades of… 

Nach der Pause machte die Schoppengemeinschaft Seinsheim-Nenzenheim da weiter, wo sie aufgehört hatte: Die Defensivreihe um Matze Träubeltatze, Stefan Wein-Bauer, Lion „Jungfernblut“ Paxton und Patrick Hohenbühl-Hertel stand ausnahmslos sicher und ließ in der kompletten Spielzeit keine einzige Chance der Heimelf zu. Keeper Markus Körner fehlte jegliche Beschäftigung, weshalb er alle drei Teile „Shades of Grey“ zu Ende las und ein alternatives Ende ausarbeitete. Das literarische Meisterwerk kommt ab Juni 2015 in die Buchläden, entweder unter dem Titel „Die Fischerin vom Hodensee“ (darf gerne für Porno-Pingpong verwendet werden) oder doch „50 Shades of SGay“.

Ach ja, gespielt wurde auch noch. Kurz nach Wiederanpfiff des weitgehend souveränen Schiedsrichters schnappte sich Bacchus Braun nach einem klugen Zuspiel von Andi Walter die Pille und erreichte nie für möglich Gehaltenes: Er traf tatsächlich auf den einzigen Spieler der Galaxie, den er mühelos überlaufen konnte.

Galaktisches Unikat 

Vollgepumpt mit Endorphinen wagte der Routinier einen Kunstschuss. Aus vollem Lauf zielte er auf die Wanderplautze seines Gegenspielers, von wo der Ball unhaltbar in die Maschen pfiff. Vollkommen zu Unrecht wurde der Treffer als Eigentor gewertet. Kurze Zeit später wurde erneut Braun am linken Sechzehnereck freigespielt. Er sah in der Mitte den mitgewatschelten Schorle Sieber, der optisch hochwertig das Leder über den imaginären Torwart hob.

Analogie der Ereignisse: Wieder landete die Kugel bei Andreas Braun, der die geweitete Hühnerbrust zur Hilfe nahm und volley mit dem rechten Klumpfuß aus zwölf Metern zum 5:0 für die Schoppengemeinschaft einschob. Spätestens jetzt war die Messe gelesen, der Kittel geflickt, der Drops gelutscht, der Buntstift obdachlos, der Kaffeesatz zentimeterdick, der Rollkragenpullover wieder in und die Natascha süß-schwarz.

Im Anschluss ein Ereignis, das mehr Leute zu Tränen der Rührung verleitete als die Trauung von Sarah Connor und Marc Terenzi: Nach über einjähriger Verletzungspause – aufgrund Unverträglichkeit einer Hämorrhoidensalbe – betrat Max Dorsch wieder die Weltbühne A-Klasse und führte sich bestens ein. Einen an Andreas Braun verschuldeten Foulelfmeter säbelte Magic Max souverän halbhoch in die Mitte, wo er für keinen Keeper der Welt erreichbar gewesen wäre.

Rechenspiele und Maiwetter 

Den Schlusspunkt setzte der umtriebige Andreas Walter. Kitzingens Keeper plante seinen Abschlag minutiös, vergaß dabei allerdings, dass der SG-Akteur tatsächlich aus Fleisch und Blut bestand und nicht innerhalb von Millisekunden teleportiert werden kann. Dankend nahm Walter das Präsent an und vollendete mit Links zum Endstand.

Dank des Sieges kann die SG unter gewissen Umständen am kommenden Sonntag bereits ihr Meisterstück machen. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich ein Sieg in Nenzenheim gegen den TSV Repperndorf. Sollte der SSV Kitzingen in Buchbrunn-Mainstockheim nicht dreifach punkten – ich hol´ kurz den Abakus raus – jap, tatsächlich…dann stehen Markus Wolf und Co. als Meister fest.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass Sie aufgrund des erwarteten Medien- und Promiaufgebots am kommenden Sonntag schon frühzeitig anreisen und außerhalb Nenzenheims parken sollten. Bei der SG-Pressestelle sind bereits mehr Akkreditierungen eingegangen als beim Kampf Maiwetter gegen Pacidingsda. #vivalasnenzni

Die Protagonisten 

Körner – Volkamer, Paxton, Bauer, Hertel – Nees, Schöller – Rabenstein, Braun, Keßler, Walter

Bank: Sieber, Hörlin, Müller, Holeton (schob Kinderwagen), Dorsch

Tore: 1:0 Keßler (Vorarbeit: Walter); 2:0 Schöller (Rabenstein); 3:0 Eigentor (Braun); 4:0 Sieber (Braun); 5:0 Braun (-); 6:0 Dorsch (Foulelfmeter; Braun); 7:0 Walter (Keeper);

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