Eingriff in den Abstiegskampf in Gallien

Wir befinden uns im Jahre 2019. Der ganze gallische Tabellenkeller der A-Klasse 3 freut sich auf den Einmarsch der punktebringenden, römischen Spielgemeinschaft… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf schaffte es nicht, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nun erst recht nicht leicht für die gallische Krieger, die in den befestigten, benachbarten Lagern Hüttniorum und Herrnsirium auf der Lauer liegen…

Do it yourself ist out. Zumindest wenn es bei uns ums Gewinnen geht. Betrachtet man die Mannschaften, die sich noch im Recall um den Klassenverbleib bewerben, so fällt auf, dass die trinkfreudigen Kicker aus dem Weinparadies bei jeder Auswärtsfahrt ein kleines Präsent überreicht haben. Außer beim Katzensprung zum eigentlich nicht unbeliebten Nachbarn und Bald-Namensgeber – dem einzig wahren SVH – da nahm man die volle Ausbeute von drei Punkten mit nach Hause.

Auch im Gastspiel bei der Reserve des SV Sickershausen erwiesen wir uns als gütiger Gast. Denn: Geben ist seliger als Nehmen! Und damit mit dem Sieg für die Heimelf auch ja klappen sollte, griffen wir gehörig unter die Arme (kennen wir ja, wenn einer auf dem Weinfest zu tief in das Glas geschaut hat) und sorgten in zwei von drei Fällen selbst mehr oder weniger für die nötigen Gegentore. Alles muss man alleine machen…

Mangelnde Motivation ist dabei niemanden vorzuwerfen. Der am Samstag im Weinfestzelt Gas am Glas gab. Ehrgeiziger beim Anstoßen und Kehle befeuchten war zuletzt Leverkusens Klaus Täuber nach dem UEFA-Cup-Sieg 1988 gegen Espanyol Barcelona: „Heute sauf ich, bis mir das Bier zu den Ohren rauskommt.“ Aufgrund von Familienfeiern, Verletzungen und ausufernden Rauschzuständen dezimierte sich der Kader auf elf Akteure. So musste man sich wenigstens keine Gedanken darüber machen, wer wann wie eingewechselt werden sollte. Da dem ein oder anderen noch ein paar Öchsle zwischen den Ohren schwirrten, war es auch nicht unbedingt verwunderlich, dass einzelne Spieler nach zehn Minuten schon so fertig aussahen wie nach einem Marathon auf dem K2. Und vielleicht ist der erste Gegentreffer auch auf Sauerstoffmangel zurückführen. Scharfe, flache Hereingabe von rechts vor das SG-Tor, Simon Hahn versuchte abzutauchen, verpasste aber die Murmel und wurde im Anschluss noch beim Klärungsversuch von Riccardo Losch so angeschossen, dass der Ball von Hahns Körper ins eigene Netz trudelte. Mehr Anmut hat nur ein Sturz von der Bierbank beim Versuch bei „Narcotic“ nochmal alles aus sich raus zu holen. Auch der zweite Gegentreffer fiel durch gehörige SGay-Mithilfe. Flanke von rechts, das Leder flutscht Hahn durch die Topflappen und direkt vor die Füße von SV-Spieler Gheorghe Dancu, der nur noch lässig einschieben musste.

Gänzlich offensiv inaktiv war die Weintrinkgemeinschaft allerdings nicht. Die Sololäufe von Wühlbüffel Nico Nees endeten jedoch stets im Fangzaun. Zudem bekam die SGay zwei indirekte Freistöße zugesprochen. Einmal war bei SV-Keeper Klein, einmal in der Mauer Endstation. Spielerisch war aber Luft nach oben. Die promillevernebelte Sicht trug maßgeblich dazu bei, dass Angriffsbemühungen häufig mit einem Fehlpass endeten.

Anstoß zur zweiten Halbzeit. Was abermals die Frage aufwirft: Warum? Das Personal unverändert. Und auch wir bleiben uns treu: Warum? Warum nicht einfach direkt wieder ins Zelt einmarschiert?

Zunächst machte es den Eindruck, als wäre das ein oder andere Leistungsprozentchen mehr nach der Pause abrufbar. Es wurden wohl ein paar Ballastpromill inzwischen ausgeschwitzt. Der Ball lief etwas besser und man kam näher an des Gegners Gehäuse. Und genau in einem dieser Momente, an dem es so langsam ansehnlich von draußen wurde, fing man sich das dritte Gegentor ein. Herrlich passiv schaute man zu, wie sich der SV den Ball zuspielte und Hannes Wahner frei vor Hahn einlochte.

Der SVS schaltete in der Folge ein oder zwei Gänge zurück und die SGay kam zu mehr und mehr Möglichkeiten. Tobias Bischoff fand bei einem Freistoß im glänzend reagierenden Klein seinen Meister. Nees steigt nach einer Ecke hoch wie der Sekt nach der Vertragsunterzeichnung, köpft aber knapp über den Querbalken. Den Ehrentreffer besorgte Aushilfszehner Philipp Heubach. V1 sonst eher ein schlechter Singer-Vertreter. Rief sein Repertoire mit dem Charme eines Gerichtsmediziners ab, der bei »Aktenzeichen XY« den Hergang eines Verbrechens schildert, das sich vor 40 Jahren ereignete. Nicht ganz vergleichbar mit SS10, der cocktailtrinkend Dreierpacks schießt oder mit dem MSV Duisburg die Beachsoccer-Championsleague aufmischt, während er nebenher den Hang-Loose-Gruß perfektioniert. Egal, Hauptsache ein Tor, war die Anreise schon mal nicht umsonst. Den moralischen Auftrieb nutzend, erzielte man sogar einen weiteren Treffer. Nach einem Handspiel entschied der sonst eher durch zweifelhafte Pfiffe auffällige Schiedsrichter auf Strafstoß. Losch tritt an, hat sich im Anlauf noch an die Tipps von Leykauff erinnert, diese dann aber spontan wieder vergessen und mittig hoch zum Anschlusstreffer verwandelt. Acht mitgereiste Zuschauer sorgten daraufhin auf den Rängen fast für einen unfassbaren Lärm. Als das Wacken-Festival ein Ort des Zens. Für pure Ekstase hätte Nees direkt mit dem nächsten Angriff sorgen können. Nach einem für ihn typischen Solo-Lauf zieht er aus 23 Metern ab – knapp neben das Tor. Hätte er den Ball mal besser per Flugkopfball genommen. Hätte wenigstens gut ausgesehen und Pluspunkte in der B-Note gegeben. Und zum Slapstick-Gesamtauftritt gepasst, der jeglichen Eintritt gerechtfertigt hätte. In den Schlussminuten drückte die SGay, als gelte es ein Kind zur Welt zu bringen. Leider ohne schwanger zu sein, denn mit dem letzten Eckball scheiterten erst Johannes Bauer mit einem Schuss am Bein eines Verteidigers und dann Lukas Hörlin an der Latte. Müsste man ja eigentlich aus dem Bio-Unterricht kennen: Ohne Erektion keine Bescherung.

Zwei Treffer den Hausherren auf dem Silbertablett serviert, wie wir den Wein unserem Gaumen näher bringen. Aber wenn der Gegner schon offensiv nicht allzu gefährlich auftritt, muss man selbst für die Niederlage sorgen.
Um zu gewinnen, hätte die SGay ein bisschen weniger beschissen in der ersten Hälfte spielen oder die Möglichkeiten besser nutzen müssen. Zumal der Fußballgott bekanntlich immer auf den größten Haufen kackt. Wir haben bis nächste Woche erstmal die Hosen voll. Wenigstens können wir da mal nicht entscheidend in den Abstiegsk(r)ampf eingreifen.

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