Im Darkroom der Liebe auf den ersten Blick begegnet

Zweite Mannschaft. Saison 2013/14. Meister. 97 Tore geschossen. 69 Punkte aus 26 Spielen geholt. War geil damals.
Zweite Mannschaft. Saison 2018/19. Vorletzter. Regelmäßig mit weniger als elf Spielern – da kann man wenigstens den Überblick behalten. Sieben Punkte aus 13 Spielen. Ist so ernüchternd als fände man untern dem Bett noch den alten Schuhkarton mit dem Starschnittposter von Erika Eleniak aus dem Jahr 1992.
 
Für die Spieler, die sich sonntags zum lauen Gekicke auf den Sportplätzen des Spielkreises finden ist das Ganze nunmehr lästige Pflicht. Schlimmer fast als das Seminar „Quellenanalyse, Methoden und Hilfsmittel in den Ostasienwissenschaften (Schein gegen Anwesenheit)“  am Freitagnachmittag und am Montagmorgen im Bachelorstudium Sinologie.
 
So ist es dann auch wenig verwunderlich, dass man sich bereits nach den ersten Spielminuten fühlte wie Axel Schulz, dem Muhammad Ali mit einer fulminanten Geraden die Fackelmann-Kappe vom Eierkopp gedonnert hat. In der ersten Runde.
Fair-Play sieht anders aus, angesichts der Hilflosigkeit mit der die SGay II gegen den TSV Albertshofen 1905 e. V. durch die ersten 30 Minuten der Partie wankte. Aufgrund eleganter Passivität und Qualitätsmängeln im Zweikampfverhalten lag man schnell im Hintertreffen.
Mit einem Mann weniger und 0:2-Rückstand anzurennen ist auch so aussichtsreich, wie Versuche im Darkroom die Liebe auf den ersten Blick zu finden.
Aber da haben die Weinparadiesler die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zweimal ackerte man sich in den Strafraum wie einst Gerhard Schröder durch seine Bundeskanzlerkarriere. „Nein. Doch. Nein. Doch. Uh. Äh. Öh. Äh“. Unverhofft wurden dann zwei Präsente in Form von Elfmetern überreicht. Kein Lobbyismus! Ohne Misstrauensvotum! Und weil Tobi Bischoff beide souverän verwandelt (Ey, Leykauff! So schießt man Elfmeter!), steht es plötzlich 2:2. Obwohl es für die Gastgeber mehr Chancen regnete als Kamelle beim Kölner Faschingsumzug. Bei elf einigermaßen trainierten Erste-Mannschaftsspielern gegen zehn SGays, die pro Zehennagel noch nicht mal auf 0,Pi Einheiten in der Vorbereitung kommen. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Aber ist halt Fußball. Und der schreibt, so will es der Fachjargon, immer noch die kuriosesten Geschichten.
Als bei den Gastgebern mehr und mehr die Nerven flatterten, brachten zwei Treffer der Marke „Kacktor des Monats“ sie wieder auf die Triumphstraße. Erst senkte sich ein direkt getretener Freistoß vom Wind begünstigt hinter Simon Hahn ins Netz, dann wurde ein TSV-Angreifer beim Klärungsversuch so angeschossen, dass die Murmel vom lauen Lüftchen gegen den Pfosten geweht wurde und von dort die Linie überquerte.
 
2:4 – am Ende besser als es die ersten Minuten vermuten ließen. Wir lassen uns weiter nicht von der Realität vorschreiben, was wir wahrzunehmen haben. Also: Ein Spiel auf Augenhöhe. Mit einem vom Chancenverhältnis her absolut unverdienten Sieger. Aber dafür sind wir reich und sexy! Also ohne das sexy. Und das reich. Und den Rest davor.

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