Bunga Bunga am Verschiebebahnhof

Junge, Junge, Junge, endlich wieder Fußball, endlich wieder Grätschen, völlig entspanntes Biersaufen am Sonntagnachmittag und herrgottnochmal endlich wieder den Schiri anmeckern, wenn einem was nicht passt.
Los ging es auswärts beim SC Schwarzach II, in einem Stadion zwischen Wildwasserschlucht und ehemals weltweit größtem Verschiebebahnhof. So oder so ähnlich.
Nur wenige Minuten war die Partive alt, da fand eine Hereingabe von Nasty Nees zwar keinen Mitspieler, aber den Pfosten. Eine eher verunglückte Rettungstat einen SC’lers wäre beinahe im eigenen Kasten gelandet.
Team MSN blieb am Drücker und nur kurze Zeit später, zappelte die Murmel erstmals im Netz. Flanke von rechts, Mo Böhm fliegt mit so langen Stelzen herein, als würde er bei Olympia Gold im Stabhochsprung gewinnen. Ohne Stab. Und ohne Sprung Schiedsrichter Matthias Müller hatte vor der Volley-Abnahme allerdings eine Abseitsstellung erkannt.
Nach einem Diagonalbahn gab es unter allen Beteiligten kurze Verwirrung. Am schnellsten schaltete Jorge Schneider, der auf einmal allein auf SC-Keeper Siegl auftauchte, diesen umkurvte, beim Schussversuch dann aber im allerletzten Moment noch gestoppt wurde.
Nach etwa einer halben Stunde löste sich endlich der Knoten: Domenic Spiller drischt einen zu kurz geklärten Kehrer-Standard zu überfälligen und überverdienten Führung in die Maschen.
Einen drauf setzen können hätte der eingewechselte Lukas Müller noch vor dem Halbzeitpfiff. Müller aber ein bisschen wie ein Azubi, der in Seinsheim morgens um halb sieben auf den Bus wartet. Weil er aber gestern wieder ein bisschen länger mit seinen Bros Playstation gezockt hat, ist es, genau genommen, schon halb elf. Heißt: Die Flanke sauber den Keeper in die Handschuhe gestoppt, als das 2:0 zu erzielen.
Der sonst mit Argusaugen ausgestattete Müller lag im ersten Durchgang einmal daneben. Nees zündete den berühmt-berüchtigten Uruk-Hai-Modus, wemmste sich auf links gegen die komplette gegnerische Hintermannschaft durch und legte vor dem Tor quer auf Matze Volkamer. Leichtes Spiel, 2:0 – denkste. Müller sah Volkamer nicht hinter dem Ball und erkannte den Treffer ab. Wir sind uns inzwischen übrigens sicher: Nees frisst zum Frühstück Asphalt und Nägel. Anders lässt sich die Mischung aus Kirmesboxer und Jaap Stam nicht erklären. Wobei festgestellt werden muss: Mit Blick auf Stam ist frisurtechnisch noch Luft nach oben.
Seitenwechsel, bisschen durchgewechselt, aber klar am Drücker geblieben. Nach einem klassischen „Nimm Du ihn, ich hab ihn sicher“-Missverständnis staubte Coach Schömig (im ersten Abschnitt hauptsächlich durch seine 27 Abseitsstellungen aufgefallen) zum 2:0.
Die Kräfte bei den Gastgebern schwanden merklich, bei den weiteren Treffern von Volkamer nach Vorlage Schömig und Kehrer nach sehenswerten Solo war die Gegenwehr kaum noch spürbar.
Für Keeper Pette Radant gab es über die Spieldauer hinweg wenig zu tun, gelegentlich tauchte dann doch einmal ein weißes Trikot in Sichtweite auf. Der Schütze des Ehrentreffers wäre ein heldenhafter Feuerwehrmann gewesen, der auch noch den Teddy aus dem brennenden Haus holt. Das rührt irgendwie. Ändert aber nichts daran, dass das Haus brennt.
Nach dem vierten Tor schaltete die MSN in den Verwaltungsmodus. Bildlich: So muss Bunga Bunga bei SIlvio B. aussehen, wenn der Viagra-Vorrat aufgebraucht ist. Sehen wir das Positive: Für Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen war der Rest der Partie sicherlich ein Genuss. Wir haben uns die Mühe gemacht und Dinge überlegt , die aufregender sind:
— Reiskörner zählen
— Die Curling-Bundesliga an einem spielfreien Tag
— Alles andere
Sei’s drum. 4:0, tiptop reingekommen. Weil der Rest der Liga auch noch nicht in Bunga-Bunga-Stimmung ist, reicht das Ergebnis sogar zur Tabellenführung. Zum Aufstieg braucht es jetzt nur noch eine weltweite Viruspandemie und einen Saisonabbruch.

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